Welcome to Grizzly Paradise

Mit dem Wasserflugzeug verlassen wir Port Hardy auf Vancouver Island und fliegen in Richtung der vom Festland nicht über Straßen erreichbaren Inlets an Kanadas Südwestküste. Das Panorama aus Pazifik, kleinen Inseln und den riesigen Wäldern haut uns fast um.

Wir landen in einem einsamen Fjord, fernab von Straßen und Zivilisation. Hier, inmitten der großartigen Natur des Great Bear Rainforest, schlagen wir für die nächsten vier Tage unser Lager in der Great Bear Lodge auf. Nach drei Wochen Camping freuen wir uns auf ein weiches, großes Bett, ein eigenes Bad und natürlich die vielen Leckereien im Rahmen unserer Vollpension.
Aber natürlich sind wir nicht wegen der Annehmlichkeiten hier sondern wegen dem König der kanadischen Wildnis – dem Grizzly!
Gemeinsam mit einem Guide werden wir das Inlet in einem kleinen Boot erkunden und auf Bärenpirsch gehen.
Der Great Bear Rainforest gehört zu den wenigen intakten gemäßigten Regenwaldgebieten der Erde. Dieser Regenwald ist ein magischer Ort wie aus dem Märchen. Uralte, mit Moos überhangene Zedernbäume, ein labyrinthartiges Wassersystem und mit hohem Gras bewachsene Inseln prägen das Bild dieser faszinierenden Szenerie.
Wir gleiten geräuschlos durch dieses Natur- und Tierparadies und genießen etwas ganz Besonderes – absolute Ruhe. Nur ab uns zu hören wir den Ruf eines Seeadlers oder Eisvogels oder die leise Wasserbewegung, wenn ein Seehund neugierig den Kopf aus dem Wasser streckt.

Es ist herrlich, die Braunbären in ihrem Lebensraum beobachten zu können.
Wir beobachten sie beim Schwimmen, Beeren fressen, umherstreifen, spielen und ausruhen. Stundenlang harren wir nahezu bewegungslos in unserem Boot aus und unser Guide paddelt uns ständig neu in Position, damit wir einerseits den Bären gut sehen, ihn andererseits aber nicht stören.
Diese Tiere so nah beobachten zu können, ist ein großes Privileg. Wir können die Bären hören und spüren. Ein Tiererlebnis, das uns sehr berührt.

Was das intensivste Bärenerlebnis im Great Bear Rainforest war? Schwer zu sagen! Vielleicht war es der übermotivierte Jungbärenmann, der auf seiner Schwimmtour auf einmal das Interesse am anderen Ufer verlor und stattdessen unbeirrbar auf uns zu schwamm. Vielleicht war es aber auch die Bärenmama, die ihre maulenden Jungen mit einer kurzen Ansage ins Wasser zwingt. Vielleicht war es aber auch der „Walk of Fame“ einer Bärenmutter mit ihren beiden Kids auf einem Baumstamm, der ein Waldstück mit einer Insel verband.
Was wir im Great Bear Rainforest zusammen mit unseren Guides erleben durften, werden wir nie vergessen. Die Great Bear Lodge im kanadischen Regenwald ist für uns ein Sehnsuchtsort.
Entsprechend schwer fällt uns nach vier intensiven Tagen der Abschied.
Doch unser kanadisches Abenteuer geht weiter – und wir sind gespannt, was uns noch alles erwartet!

 

#PortHardy
Das übersichtliche Örtchen am Nordende von Vancouver Island versprüht raues, kanadisches Fischer- und Loggerflair! Viel mehr als ein paar Hotels (von hier starten die Kreuzfahrtdampfer ihre Reise durch die Inside Passage), ein kleines Einkaufszentrum mit Supermarkt und eine Sportsbar mit leckeren Ribs und Poutine gibt es hier nicht viel zu sehen. Aber es ist schön, am Wasser entlang zu spazieren und bei Ebbe den vielen Seeadlern zuzuschauen, die sich hier versammeln. Schwarzbären hat es auch genug. Wir finden „verdautes Beweismaterial“ und nehmen sogar einem Schwarzbären – mitten im Ort! – die Vorfahrt. Eine Frechheit, die er uns Gott sei Dank nicht übel nimmt. Gemütlich trottet er nach uns über die Straße.

#GreatBearLodge
Mehr über diese wunderschöne, schwimmende Öko-Lodge, ihre Besitzer und Guides sowie die Grizzly-Watch-Packages erfahrt ihr hier. Diese Lodge ist ein wahrgewordener Wohntraum inmitten der kanadischen Regenwaldwildnis. Von den Zimmern genießt man den Blick auf das weite Inlet. Der Steg um die Lodge lädt zum Entlangspazieren, Kolibri-Beobachten und Yogamachen ein. Alles hier ist mit so viel Liebe gemacht – von der Einrichtung der Lodge über die Gestaltung des Gartens bis hin zum wunderbaren Essen und den home-made Cookies.

Roadtrip in den hohen Norden – auf den Spuren von Bisons und Bären (Teil 2)

Am frühen Vormittag machen wir uns auf in Richtung Fort Simpson. Uns spukt die Idee im Kopf herum, von dort aus einen Tagesausflug in den Nahani Nationalpark zu machen, der nur von dort per Flugzeug zu erreichen ist.
Auf dem Weg dorthin passiert es dann endlich. Er kommt aus dem nichts und kreuzt gemütlich vor uns den Highway: unser erster Schwarzbär! Wir sind begeistert und natürlich kommt wieder das Safari-Panoramadach zum Einsatz. Schwarzbär Number One liefert eine tolle Show für uns ab und vergnügt sich noch einige Minuten am Straßenrand mit den Beerenbüschen. Wir sind euphorisiert!
Die Strecke geht spaßig weiter – denn um nach Fort Simpson zu kommen, nimmt man im Sommer die Autofähre. Im Winter nimmt man die Iceroad. Im Frühjahr und Herbst nimmt man das Flugzeug – da Schmelzwasser bzw. Neuschnee die Flussquerung nicht erlauben. Verrückt! Mit dem Auto kann man Fort Simpson also tatsächlich nur im Sommer und Winter erreichen. Das ist wahre Abgeschiedenheit!

#4: Der Abstecher nach Fort Simpson lohnt sich, wenn ihr euren Proviant aufstocken müsst. Hier könnt ihr in einem großen Supermarkt gut einkaufen (ihr findet hier sogar Grillgut und einen Mini-Pizza Hut für einen unkomplizierten Roadtrip-Snack zwischendurch 😊). Ansonsten gibt es hier nicht wirklich viel zu sehen… Das raue Flair des hohen kanadischen Nordens kann hier aber sehr wohl aufsaugen. Und wenn ihr das nötige Kleingeld mitbringt, gibt es von Fort Simpson aus tolle Ausflüge zu den Victoria Falls per Kleinflugzeug. Hier gilt aber unbedingt vorher reservieren! Wir haben es spontan versucht und konnten leider keinen freien Platz mehr in einem der Kleinflugzeuge ergattern.

Fort Simpson ist gewissermaßen unser Wendepunkt auf unserem Trip gen Norden. Denn nun machen wir uns auf in Richtung British Columbia. Unser Ziel ist Fort Nelson. Auf dem Highway 7, dem sogenannten Liard Highway, fahren wir am späten Nachmittag südwärts. Wir hoffen hier auch noch einmal auf Bisons, die sollen sich hier nämlich in den Morgen- und Abendstunden gerne am Straßenrand tummeln. Wir werden nicht enttäuscht und sehen drei verschiedene Herden sowie einen einsamen Bullen, der sich am Straßenrand in einem Sandloch räkelt. Und ja, auf diesem Highway steppt tatsächlich der Bär: Erneut kreuzt ein Schwarzbär unseren Weg. Er richtet sich sogar auf und steht auf zwei Beinen, um uns genauer inspizieren zu können, bis er dann im Dickicht verschwindet. O Canada, your wildlife is amazing!

#5: Wenn ihr Buffalos in natura erleben wollt, braucht es den Abstecher ins Sanctuary gar nicht. Fahrt einfach wie wir am Nachmittag den Highway 7 entlang. Die Bisons kommen hier zum Grasen an den Straßenrand. Und ihr seht ganz bestimmt auch welche!

Zum Abschluss dieses unglaublichen Trips in den Norden passieren wir die Grenze zu British Columbia uns finden in Fort Nelson einen Campingplatz. Großer Vorteil des Platzes: Hier kann man auch sein Auto bzw. seinen Camper waschen. Unser weißer SUV ist nach unserem Northwest-Territories-Abenteuer nicht mehr wiederzuerkennen. Für ein paar Dollar gönnen wir ihm, uns und unserer Wäsche ein schönes Bad und dann geht es zurück in die Zivilisation.

#6: Ein SUV ist in den Northwest Territories von großem Vorteil! Große Teile des Highway 2 und Highway 7 sind ungeteert. Auf diesen Schotterpisten lässt es sich gut fahren, aber den Staub habt ihr irgendwann überall – nicht nur auf dem Auto sondern auch im Auto. 😊 Wir sind von Jasper bis Fort Nelson gute 2.000 Kilometer gefahren. Damit das nicht in Stress ausartet, solltet ihr euch also mindestens 3-4 Tage Zeit für diesen Abstecher in den Norden nehmen. Aber es lohnt sich! Wir haben tolle Natur, viele Bisons und zwei Schwarzbären gesehen. Und wenn das noch nicht reicht: Wer kann schon sagen, einmal in solcher Abgeschiedenheit gewesen zu sein? Ein echtes Erlebnis!

Roadtrip in den hohen Norden – auf den Spuren von Bisons und Bären (Teil 1)

In Jasper decken wir uns im Visitor Center mit den ersten grundlegenden Infos zum einsamen Norden Kanadas ein. Die Northwest Territories wollen von uns entdeckt werden. Dieser Abstecher entspricht zwar nicht unserer geplanten Reiseroute, aber wir wollen unbedingt mehr kanadische Weite und Wildnis spüren und vor allem raus aus dem zwar sehr schönen aber eben überfüllten Jasper NP. Als wir die Stadt Jasper verlassen, ist es bereits 20.30 Uhr. Wir genießen eine wunderschöne Fahrt durch ein atemberaubendes Bergpanorama – inklusive Safari: Wir sehen Ziegen, Rehe und einen riesengroßen Hirsch. Die Abendsonne taucht die Szenerie in ein golden schimmerndes Licht. Atemberaubend!
Als wir den Park nach Osten in Richtung Hinton verlassen, dämmert es bereits. Wir versuchen unser Glück auf dem hiesigen Campingplatz – erfolglos. Und auch bei sämtlichen Hotels und Motels entlang des Highways und in der Innenstadt haben wir kein Glück. Es ist in der ganzen Stadt nicht ein Zimmer mehr frei. Trotz Müdigkeit bleibt uns also nichts anderes übrig, als unseren Roadtrip genau jetzt zu beginnen und auf dem Weg gen Norden ein Bett zum Schlafen aufzuspüren.

Drei Stunden, 200 Kilometer und etliches undefinierbares Getier am dunklen Straßenrand später finden wir in Grande Cache endlich ein Hotel, in dem wir das letzte (!) Zimmer bekommen.

#1: Rund um die Nationalparks ist es im Sommer (insbesondere am Wochenende) sehr schwer spontan einen freien Campingplatz oder ein freies Hotelzimmer zu finden wie im Nationalpark selbst. Da darf man sich nicht zu schade dafür sein, bei jeder Schlafgelegenheit anzuhalten und das Mantra „Got a vacant room?“ zu beten. 😊 Am besten ist natürlich, ihr geht bereits vor Sonnenuntergang auf Zimmersuche oder reserviert euch am frühen Nachmittag ein Zimmer über einen Online-Buchungsdienst.

Den nächsten Tag verbringen wir ausgeschlafen auf dem Autositz und lieben es! Wir fahren zunächst noch durch bewaldete Regionen, die aber sehr bald weiten Feldern weichen. Den ersten größeren Stopp legen wir im ca. 500 Kilometer entfernten Manning ein. Ein eher verschlafendes Städtchen, doch Tanke und China-Diner sind vorhanden uns so können wir gut gestärkt zurück auf den breiten Highway 35 und fahren Kilometer für Kilometer geradeaus – gefühlt ohne auch nur eine Kurve und zu großen Teilen der Strecke ohne ein anderes Auto zu sehen.
Irgendwann ist die Landschaft dann wirklich ganz anders als das, was wir bisher gesehen haben: Wir haben einen breiten, geraden Highway und rechts und links davon ein Streifen mit Gras und Büschen und dann Bäume. Bäume, Bäume, Bäume. Nicht so hoch wie in den Rockies, aber dennoch eindrucksvoll. Wir passieren den 60. Breitengrad und entern endlich die Northwest Territories – und es fühlt sich toll an nach 900 Kilometern.

#2: Legt auf jeden Fall einen Stopp am Visitor Center ein, das sich direkt an der Grenze von Alberta zu den Northwest Territories befindet. Eine ältere Lady hat uns so viele tolle Tipps rund um unseren Roadtrip und die Campingplätze gegeben – es war einfach nur spitze. Das Visitor Center hat außerdem noch ein kleines Museum angeschlossen, verfügt über W-Lan und man bekommt eine Urkunde ausgestellt, den 60. Breitengrad überquert zu haben. Das kann ja auch nicht jeder von sich behaupten. 😊

Auf dem Louise Falls Campground schlagen wir unser Zelt auf und genießen eine Nacht ohne jede Geräusche.
Am nächsten morgen vertreten wir uns nach all der Fahrerei ein bisschen die Beine und starten mit einer kleinen Wanderung zu den Louise Falls und den Alexander Falls. Der Trail beginnt direkt am Campingplatz und am frühen Morgen haben wir den Trail wie auch die Falls ganz für uns alleine.
Danach geht’s wieder auf die Straße. Heute wollen wir Buffalos aufspüren. Auf dem Highway 2 fahren wir in unberührter Einsamkeit noch weiter Richtung Norden und nehmen dann die Abzweigung auf den Highway 3 durch das Bison Sanctuary. Das ist ein Schutzgebiet für reinrassige Waldbisons und wir hoffen dort auf unser Bison-Glück. Wir fahren circa eine Stunde durch das Sanctuary und dann endlich sehen wir eine Herde. Sie grast gelassen an dem Spot, an dem wir eine halbe Stunde vorher noch unseren Picknicklunch hatten! Die Herde besteht aus gut 20 Bisons von jung bis alt. Das sind so eindrucksvolle Tiere! Bestimmt eine halbe Stunde stehen wir auf unseren Sitzen und strecken den Kopf oben aus dem Panoramadach unseres SUVs – ganz Safaristyle. Es ist toll, die schnaubenden Großkühe zu beobachten und in diesem Moment haben sich die hunderten Fahrtkilometer mehr als gelohnt. Es ist fantastisch! Zur Feier des Tages wollen wir heute Grillen (denn in den Northwest Territories gibt es kein Feuerverbot) und machen uns auf den Weg nach Fort Providence, der nächsten „größeren Stadt“, um dort einzukaufen. Leider haben wir kein Shoppingglück: Alles ist geschlossen, wir sind hier tatsächlich spürbar off the beaten track 😊. Damit wir zumindest einmal was gegrillt haben, besorgen wir uns fragwürdige Würstchen und eine Dose Chili an der Tanke. Kanadisches BBQ und wir – das soll wohl einfach nicht sein.

#3: Die Gelegenheit in Fort Providence zu tanken, solltet ihr nicht auslassen! Wir haben die nächste Tankstelle erst in Fort Simpson gesehen – das ist mal gute 300 Kilometer und eine Fährüberfahrt entfernt. Auch der angeblich vorhandene Supermarkt in Fort Providence war für uns ein Reinfall – angeblich bis 18 Uhr geöffnet, dann aber halt doch schon am frühen Nachmittag zu. Im Norden ist halt alles anders. 😊

Unser Campground in Fort Providence für diese Nacht liegt direkt am ausladenden Mackenzie River. Wir haben einen riesigen Campsite direkt am Fluss und genießen einen lauen Sommerabend ganz ohne Moskitos. Die Sonne geht erst kurz vor Mitternacht unter – wir sind also wirklich weit im Norden. Der Sonnenuntergang direkt über dem Fluss ist spektakulär und wir genießen ihn ganz gemütlich aus dem Zelt. Mal sehen, was die Northwest Territories morgen mit uns vorhaben.

Icefield Parkway mal anders

Mutter Natur hat in Westkanada alles gegeben. Besonderes Augenmerk hat sie dabei wohl auf ein Teilstück des Highway 93 zwischen Banff und Jasper gelegt. Der 230 Kilometer lange Abschnitt des Icefield Parkway gilt als einer der schönsten Drives der Welt und hält entlang des Wegs viele Eindrücke der kanadischen Rocky Mountainszenerie bereit. Wer in kurzer Zeit und ohne viele Kilometer zu machen quasi direkt von der Straße aus viel sehen will, ist hier goldrichtig. Die Kehrseite der Medaille: Es wimmelt vor Touristen – per pedes, per Auto, per Motorrad, per Wohnmobil, per Reisebus…

Wir hatten für den Icefield Parkway insgesamt drei Tage eingeplant. Versprechen Reiseführer und Internet doch, dass entlang des Weges ein Naturhighlight das nächste jagt. Und ja: Entlang der Route liegen spektakuläre Wasserfälle, das riesige Columbia Icefield und beeindruckende Gletscher, insbesondere der berühmte Athabasca Glacier mit einem modernen Dokumentationszentrum.

Wir werden aber wohl nie erzählen können, diese Highlights Kanadas wirklich erlebt zu haben. In einer Blechlawine von Autos, Motorrädern und Wohnmobilen rollen wir durch ein zweifelsohne herrliches Bergpanorama. An den berühmten Viewpoints und Sehenswürdigkeiten herrscht Verkehrs- und Menschenchaos. Das entspricht nicht unserer Vorstellung von kanadischem Naturabenteuer und so flüchten wir uns bereits am Vormittag auf den Glacier Lake Trail (18 Kilometer hin und zurück). Ein wunderschöner Trail durch kanadischen Misch- und Nadelwald. Um uns herum knacken die hohen Bäume, die ganze Szenerie wirkt mit moosbewachsenen Zedern und Tannen mystisch. Bereits nach einer halben Stunde öffnet sich der Wald und wir genießen ein beeindruckendes Panorama auf eine Art Fluss- oder eher Sumpfsystem. Es geht auf den gesamten 9 Kilometern zum Glacier Lake abwechselnd bergauf und bergab, auch mit steileren Passagen. Der Gletschersee am Ende des Trails ist die Plackerei wert. Auf den letzten Metern bergab sieht man bereits das Wasser des Glacier Lake zwischen den Bäumen funkeln. Bei Sonnenschein ein wunderschönes Spektakel. Am Seeufer angekommen führt uns ein kleiner Spaziergang linkerhand zum dort befindlichen Backcountry-Zeltplatz. Wir suchen uns am Kieselstrand einen schönen Baumstamm, vespern, kühlen unsere Füße im Seewasser und gönnen uns ein Mittagsschläfchen in der Sonne. Irgendwann reißen wir uns dann doch los vom Glacier Lake und wandern die 9 Kilometer zurück zum Parkplatz. Wir sind auf der gesamten Wanderung übrigens nur vier weiteren Wandergruppen begegnet und einem Solowanderer. Zu den überlaufenen Sehenswürdigkeiten entlang des Icefield Parkway haben wir hier also eine idyllische Alternative gefunden. Den Rest des Tages verbringen wir im Auto, verzichten auf die laut Reiseführer „Must-Do-Stopps“ und saugen das Rocky Mountain Panorama ganz in Ruhe durch die Frontscheibe ein. Für einen Abendsnack stoppen wir in Jasper, ein wirklich nettes Touristenörtchen mit vielen Restaurants und einem informativen Visitor Center. Noch beim Abendessen beschließen wir, einfach weiterzufahren. Der Jasper Nationalpark hat viele schöne Ecken. Und wir haben uns sehr auf eine Kanutour auf dem Lake Maligne gefreut. Nun erkennen wir aber, dass ein Wochenende im August dafür für uns nicht geeignet ist. Der Nationalpark und Jasper platzen aus allen Nähten. Wir dagegen wollen mehr von der kanadischen Weite sehen und ihre Freiheit spüren. Uns zieht es gen Norden. Uns zieht es in die Einsamkeit. Northwest Territories – wir kommen!   

 

An alle, die den Glacier Lake Trail laufen wollen: Den Glacier Lake Trail findet ihr etwa eine Autostunde nördlich von Lake Louise. Eine kleine Straße zum Trailparkplatz zweigt direkt vom Highway 93 ab. Beschilderung zum Trail sowie eine Infotafel zur Wanderung und der aktuellen Bärenaktivität ist vorhanden. Der Backcountry-Zeltplatz liegt idyllisch direkt am Glacier Lake. Der Platz ist sehr einfach, hat aber alles was man für 1-2 Nächte in der Wildnis braucht (Plumpsklo, Picknicktisch, Bärenbox). Von hier aus kann man prima die Wanderwege rund um den Glacier Lake erkunden. Vergesst auf dieser Wanderung bloß nicht euren Moskitoschutz! Insbesondere entlang des Wasserlaufs wimmelt es von Moskitos. Da hilft nix: Einsprühen (wir empfehlen wärmstens Deep Woods von Off) und zügig weiterwandern. Bloß nicht stehen bleiben – sonst fressen sie euch.

Ein traumhafter Tag im Yoho Nationalpark

Dieser kleine Nationalpark ist ein absolutes Muss und viel zu schade, ihn auf dem Weg nach Banff, Jasper oder Golden einfach links liegen zu lassen. Wir zeigen euch drei Aktivitäten, die ihr entweder jede für sich oder alle an einem Tag erleben könnt: Wandern rund um den Emerald Lake, Wölfe im Wildlifecenter beobachten und über Bisons auf der Buffalo Ranch staunen.

Emerald Lake

Westkanada hat viele wunderschöne Seen zu bieten. Dieser hier ist aber unser persönliches Highlight. Das Wasser ist unfassbar klar und schimmert in den unterschiedlichsten Türkistönen – ein wunderbares Rocky Mountain Bergpanorama im Hintergrund ist selbstverständlich inklusive. Wer früh am Morgen oder später am Nachmittag da ist, kann den See auf einem ca. 5 Kilometer langen Loop ungestört umrunden. Besonders schön ist dabei die zweite Hälfte der Runde, denn hier geht der Weg auf einen Trampelpfad und gelegentlich sogar auf Stege über. Auch der Wald verändert sich hier und präsentiert sich regenwaldartig – eine schöne Abwechslung. Wer noch etwas ins Schwitzen kommen will, macht auf dem Weg den Abstecher zum Emerald Basin Viewpoint. Der ca. 4,5 Kilometer lange Weg (hin und zurück) führt stetig bergauf durch schönen kanadischen Nadelwald und schließlich weiter durch mannshohe Beerenfelder. Beerenfelder – hier steigt unser Adrenalinspiegel. Das wäre hier durchaus ein guter Spot für beerenhungrige Bären und wir sind mitten im Bärengebiet unterwegs. Da wir keinen Bären überraschen wollen, schlagen wir uns singend und klatschend voran. Irgendwann lichtet sich dann das Gestrüpp und es wird felsig. Wir sind am Ende des Trails angekommen und stehen inmitten einer Art Steinwüste an einer Gletscherzunge nebst kleinem Gletscherflüsschen. Und hier haben wir dann auch noch unser tägliches Wildlifesighting: Jede Menge Murmeltiere! Sie klettern munter zwischen den Felsen herum oder räkeln sich in der Sonne. Zurück zum Emerald Lake Loop geht’s dann auf dem gleichen Weg.

 

Wolf Wildlife Center

In der Nähe von Golden befindet sich das Northern Lights Wolf Wildlife Center. Hier kann man nicht nur Wölfe beobachten, man kann auch richtig viel über ihr Verhalten, ihren Lebensraum und den Kampf gegen das Trophy Hunting lernen. Die ca. 20-minütige Führung ist sehr interessant und kurzweilig. Wer den großen Geldbeutel dabei hat, kann mit den Wölfen sogar „Gassi gehen“! Kein Scherz: Abends werden die Wölfe in Vans gepackt und es geht ab in die Wildnis. Dort dürfen die Wölfe sich dann als Rudel austoben (natürlich ohne Leine). Der Hunger treibt die Wölfe übrigens immer zurück zum Van. 😊

Rocky Mountain Buffalo Ranch

Die Ranch befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Wolfcenter und wir haben sie ganz zufällig entdeckt! Für uns ist die Ranch ein absolutes Muss! Das liegt vor allem an ihrem Besitzer Leo Downey, ein ehemaliger Rockmusiker aus den USA, der sich in den Rockies seinen Lebenstraum erfüllt. Er hat diese Ranch mit so viel Liebe aufgebaut und vermittelt Einblicke in das Leben der First Nations, ihre Werkzeuge und Jagdmethoden. Das Highlight sind aber seine Bisons. Derzeit hat er auf seiner Ranch rund 20 Tiere, die wir von einer Beobachtungsplattform aus bestaunen. Den Bullen, Chester Jr., erkennen wir sofort: Er ist unfassbar groß, wiegt eine Tonne und als Leo uns erklärt, dass er noch nicht ausgewachsen sei, machen wir große Augen. Diese Tiere sind absolut faszinierend und lösen etwas in uns aus… Wir wollen sie „richtig sehen“, nicht auf einer Ranch sondern in freier Wildbahn – das muss ein tolles Tiererlebnis sein!

Übrigens: Bei Leo könnt ihr in selbstgebauten Cabins, die auf dem gesamten Farmgelände verstreut sind, übernachten. Ein wildromantisches, kanadisches Ranchabenteuer!
Mehr dazu findet ihr hier.

 

Lake Louise aktiv – drei Wanderhighlights

Lake Louise ist der perfekte Ausgangspunkt für Wanderungen aller Schwierigkeitsstufen – und eine ist schöner als die andere! Gut, viel mehr als Wandern kann man in Lake Louise auch nicht machen. Wir waren doch erstaunt, als wir feststellten, dass es sich keineswegs um einen mondänen Skiort handelt, in dem allwinterlich der Skiweltcup zu Gast ist. Vielmehr besteht Lake Louise aus einem informativen Visitor Center mit kleinem Gletschermuseum, einer Mall mit Supermarkt und Bäcker sowie einem großen Campingplatz. Das war’s auch schon… Also nichts wie ab in die Natur! 😊

Gondel, Wandern, Grizzlies

Es ist schon verwunderlich, eine Szenerie, die man als verschneites Winterpanorama kennt, im Sommer live zu erleben. Wo im Winter die Skifahrer ins Tal schießen, gehen wir heute wandern. Dazu fahren wir mit der Lake Louise Gondola (offener Sessellift) nach oben. Von hier aus starten verschiedene Trails. Wie lange die Routen sind, sagt euch die Beschilderung. Alle Routen verlaufen dabei oberhalb der Gondel. Unterhalb der Gondel ist das Wandern verboten – die Grizzlies sind los und derzeit sehr aktiv. Deshalb ist das Gebiet um die Gondel auch mit einem Elektrozaun gesichert. Mit Kribbeln im Bauch verlassen wir das umzäunte Gebiet durch eine Schleuse und wandern zu weit los – obwohl empfohlen wird, in Gruppen ab vier Personen zu laufen. Zwei Wanderkumpanen haben wir hier früh morgens aber nun einmal nicht zur Hand.
Dennoch: Wir sind hier mitten im Bearcountry und deshalb haben wir natürlich unser Bearspray dabei und machen ordentlich Lärm beim Wandern (so viel die Atemlosigkeit zulässt). Alternativ könnt ihr auch eine geführte Tour buchen, das geht problemlos und für wenig Geld direkt vor Ort. Wer es nicht so mit dem Wandern hat, kann auch einfach den Wildlifepfad bis zum Wildlife Center entlang schlendern. Dort gibt es viel zu Lernen über Bären, Cougars (Puma) & Co und nach getaner Arbeit bietet es sich an, draußen auf Liegestühlen in der Sonne zu faulenzen, das Panorama zu genießen und dem Pfeifen der diversen Bergnager zu lauschen. Einfach herrlich!

Übrigens: Wir konnten auf den Skipisten tatsächlich eine Grizzlymama mit ihren beiden Jungen entdecken – weit weg zwar, aber immerhin: unser erstes Bearsighting!!! 😊

Wandertraum am Lake Louise

Wanderfreunde aufgepasst: Die Trails um den Lake Louis sind ein Wandertraum! Es gibt jedoch einen Haken. Hier wandert ihr definitiv nicht alleine. Also am besten früh raus aus den Federn, einen Parkplatz ergattern und dann ab ins Wanderparadies. Das Wegenetz ist vielfältig und sehr gut ausgeschildert. Wir haben uns vorher nicht wirklich eine Route überlegt, sondern sind einfach drauf los gewandert. Unser erstes Ziel war dann die Plain of the Six Glaciers mit herrlichem Blick auf die Gletscherzunge und den Gletscher. Im Geröll sitzend genießen wir in der warmen Sonne das eisige Panorama, hören dem Gletscher beim Knacken zu und sehen sogar eine Lawine abgehen. Das ganze natürlich aus sicherer Entfernung.
Weiter geht es in Richtung Teahouse und dann wird es richtig steil – es geht auf den Big Beehive. Rund drei Kilometer wandern wir in schönstem Bergpanorama permanent steil bergauf. Mal mitten im Wald, mal auf einem Steig entlang und mal durch Bergblumen. Oben angekommen, bietet sich uns ein wahnsinniger Blick auf den Lake Louise. Der See sieht von unten schon toll aus, aber von oben wirkt das türkis noch intensiver (fast schon künstlich 😊). Berauscht von diesem Panorama gibt es für uns kein Halten mehr und wir wandern weiter Richtung Lake Agnes. Ein steiler Abstieg führt zu diesem idyllischen Bergsee, der in der Sonne in allem Blautönen funkelt. Hier klettern wir auf großen Steinplatten direkt bis zum Wasser, baden unsere aufgeheizten Wanderfüße und Simon stürzt sich sogar komplett ins kalte Nass (verrückt, denn das Wort „eiskalt“ wird der Wassertemperatur nur annähernd gerecht…). Erfrischt wandern wir vorbei an einem weiteren Teehäuschen zurück zum Lake Louise. Insgesamt sind wir gute 17 Kilometer unterwegs gewesen und wir würden die Wanderung sofort wieder machen!

Verwunschener Moraine Lake

Im Dämmerlicht erstrahlt das Türkis des Moraine Lake noch mehr. Wir sind beeindruckt und glauben einfach nicht, wie Wasser eine solche Farbe haben kann. Wir schlendern am See entlang über eine Art Trampelpfad, links der See und rechts dichter, kanadischer Wald. Wir sind froh, dass wir so spät hier sind, denn es sind kaum noch Touristen da und wir haben den Weg fast für uns.
Am Ende des Weges stößt man auf einen Wasserzulauf. Hopst man hier von Stein zu Stein, kann man sich weiter in den verwunschenen Wald vorschlagen. Das ist schon eine ganz besondere Stimmung hier und wir genießen die Ruhe.
Der See hat übrigens auch einen schönen Viewpoint, den man über eine kurze, steinige Wanderung erreicht. Alternativ kann man auch zunächst über Baumstämme im seichten Wasser und dann die Felsen hinauf zum Viewpoint klettern. Ein riesen Spaß! Aber bitte nur mit festem Schuhwerk! 😉

Zwei Lieblingshikes in Banff

Das Wintersportstädtchen Banff hat für Outdoorfans auch im Sommer viel zu bieten! Uns begeistern besonders die vielen tollen Wanderwege. Manche mit sagenhaften Ausblicken, manche mit wahnsinnigen Bergpanoramen und manche bei denen der Weg das Ziel ist und man einfach durch atemberaubende kanadische Naturkulisse streift. Dabei ist von einfach bis anspruchsvoll und vom kurzen Verdauungsspaziergang bis zur Mehrtagestour alles dabei.

Diese beiden Hikes haben es uns dabei besonders angetan:

Sulphur Mountain

Der Sulphur Mountain ist gewissermaßen der Hausberg von Banff, nur wenige Autominuten vom Zentrum entfernt. Es führt sowohl eine Gondel auf den Berg als auch ein Wanderweg.

Wir parken unser Auto auf dem großen Parkplatz und blicken etwas ungläubig nach oben. Der Weg nach oben ist 5 Kilometer lang, dieser Berg ist über 2.400 Meter hoch…. Dann wird der Weg wohl überwiegend bergauf gehen…. Und das tut der Weg dann auch. Genauer gesagt: Er geht permanent bergauf – mal steil und mal steiler. Aber es ist die Plackerei wert! Immer wieder tut sich der Wald auf und gibt ein sagenhaftes Panorama frei. Und auch die vielen Chipmunks und Ground Squirrel am Wegesrand versüßen uns den Aufstieg. Irgendwann wird der Wald dann lichter und wir sehen die Gondeln über uns fahren.

Oben angekommen wird es dann voll: Dank Gondel ist Sulphur Mountain kein wirklich einsames Ziel. Über ein System aus Stegen und Treppen laufen wir noch weiter und genießen ein 360 Grad Panorama der Rocky Mountains.

Unsere Tipps: Bei diesem Aufstieg bleibt kein Shirt trocken! Unbedingt was zum Wechseln mitnehmen, denn auf 2.400 Metern kann es auch bei bestem Wetter zugig werden. An alle mit Knieproblemen: Der Weg nach oben war sehr anstrengend. Nach unten geht zwar einfacher und schneller, steile Bergabpassagen gehen aber ganz schön auf die Kniee. Alternativ kann man mit der Gondel nach unten fahren. Verpassen tut man so nichts, da es kein Rundweg ist. Aber die Gondel kostet natürlich. Nach der Wanderung bietet sich ein Besuch der Upper Hot Springs an. Das Thermalbad befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz. Im 40 Grad warmen Wasser lässt es sich nach der anstrengenden Wanderung herrlich entspannen… Handtücher und historisches Badeoutfit können günstig geliehen werden.

Entlang des Johnston Canyon bis zu den Ink Pots

Circa 30 Autominuten von Banff entfernt, schlängelt sich ein gut ausgebauter Wanderweg teils auf Stegen und Treppen entlang des Johnston Canyon über die Lower Falls bis hin zu den Upper Falls. Im engen Canyon herrscht eine ganz eigene Stimmung und es ist faszinierend zu sehen, wie sich das Wasser über Jahrhunderte seinen Weg durch den Stein gebahnt hat. Bis zu den Upper Falls herrscht viel Betrieb auf dem Wanderweg und wir müssen an den Upper Falls sogar anstehen, um den besten Blick darauf zu bekommen (und das um 9 Uhr morgens!).
Die weiteren 5 Kilometer durch Wald und Flur bis hin zu den Ink Pots laufen aber nur wenige. Dabei lohnt sich dieser Weg umso mehr! Zunächst genießen wir auf einem Waldweg, wie es immer ruhiger wird. Dann wird der Weg immer ursprünglicher und schließlich zu einem breiten Trampelpfad. Schließlich verlassen wir den Wald und kommen auf einer steinigen Ebene an, die man vielleicht als Hochtal beschreiben könnte. Hier befinden sich die Ink Pots.
Die Ink Pots sind fünf wunderschöne, in herrliche Landschaft eingebundene Wasserpools, die in den unterschiedlichsten Blau- und Grüntönen schimmern. Je nach Sonneneinstrahlung erlebt man diese Pools türkis, blaugrün oder so tiefblau wie Tinte. Baden ist übrigens absolut nicht drin – die Pools sind eiskalt! Aber die Landschaft und unser Wandervesper genießen, das können wir hier ganz wunderbar. Zurück geht es auf dem gleichen Weg – diesmal aber lockerflockig bergab.

Unsere Tipps: Die Ink Pots sind wunderschön. Der Weg zu ihnen führt aber zwangsweise durch den Johnston Canyon, der nun wirklich nicht als Geheimtipp gelten kann. Auf unserem Rückweg gegen Mittag drücken wir uns ab den Lower Falls mit den üblichen Touristenmassen (inklusive Flipflopträgern) zurück zum Parkplatz. Achtet daher darauf, diese Wanderung früh morgens oder später am Abend zu beginnen. So könnt ihr nicht nur das Ziel sondern auch den Weg genießen.
Im Canyon ist es um einiges kälter als auf dem Rest des Weges – also noch eine warme Schicht oder Jacke einpacken!
Wer sich die Lower Falls genauer anschauen möchte, kann ihnen durch einen Steintunnel in gebückter Haltung richtig nahekommen – kleine Wasserfalldusche inklusive. Wer hier länger steht, sollte über eine Regenjacke nachdenken…